Der „Sonnenhof“ in Molchow

2. Juli 2026 Aus Von admin

Eine kleine Geheimdienstgeschichte noch bevor der Kalte Krieg los ging und noch ein verschwundenes Anwesen

Gustav Hilger besaß bzw. bewohnte mit seiner Familie bis 1947 das Anwesen „Sonnenhof“ in Molchow.

Der Name „Sonnenhof“ ist heute aus den Karten von Molchow verschwunden. Weder aktuelle Verzeichnisse noch amtliche Karten nennen ein Anwesen dieses Namens. Dennoch spielte dieser Hof in den Jahren unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg eine bemerkenswerte Rolle. Er war Wohnsitz der Familie des Diplomaten Gustav Hilger und wurde 1947 zum Ausgangspunkt einer geheimen amerikanischen Rettungsaktion, die später unter dem Decknamen Operation Fireweed bekannt wurde.

1945 Gustav Hilger besaß bzw. bewohnte mit seiner Familie bis 1947 das Anwesen „Sonnenhof“ in Molchow..
1947 Operation Fireweed beginnt dort.
1947 Familie verlässt Molchow.
Danach verschwindet der Name vollständig.

Gustav Hilger

Gustav Hilger (*1886 – † 1965) gehörte zu den bedeutendsten deutschen Russlandexperten seiner Zeit. Er wurde in Moskau als Sohn deutscher Eltern geboren und sprach Russisch seit seiner Kindheit. Nach dem Ersten Weltkrieg trat er in den diplomatischen Dienst ein und war während der Weimarer Republik sowie des Nationalsozialismus mehrfach an der deutschen Botschaft in Moskau tätig.

Hilger galt als hervorragender Kenner der Sowjetunion. Obwohl er dem nationalsozialistischen Regime diente, wird er in der Forschung überwiegend als Fachbeamter beschrieben, dessen besonderes Interesse den deutsch-sowjetischen Beziehungen galt. Nach Kriegsende arbeitete er als Berater für amerikanische Stellen und wirkte später unter anderem für die RAND Corporation.

Der Sonnenhof in Molchow

Biographische Quellen nennen übereinstimmend den „Sonnenhof in Molchow“ als Wohnsitz der Familie Hilger in den letzten Kriegsjahren und während der unmittelbaren Nachkriegszeit. Über das Anwesen selbst ist jedoch erstaunlich wenig bekannt. Weder Baugeschichte noch Eigentumsverhältnisse wurden bislang wissenschaftlich untersucht.

Aus den Quellen geht hervor, dass Gustav Hilger sich bei Kriegsende nicht mehr dauerhaft auf dem Hof befand. Seine Ehefrau Marie, seine Tochter Elisabeth („Isika“) sowie die Enkelkinder lebten jedoch weiterhin in Molchow.

Damit wurde der Sonnenhof zum Lebensmittelpunkt der Familie in einer Zeit tiefgreifender politischer Veränderungen.

Molchow nach 1945

Nach dem Einmarsch der Roten Armee gehörte Molchow zur Sowjetischen Besatzungszone. Während Gustav Hilger sich den amerikanischen Behörden gestellt hatte und später für diese arbeitete, verblieb seine Familie auf dem Sonnenhof.

Die sowjetischen Sicherheitsorgane interessierten sich für Hilger. Seine außergewöhnlichen Kenntnisse der Sowjetunion machten ihn sowohl für die amerikanische als auch für die sowjetische Seite zu einer wichtigen Persönlichkeit. Die in Molchow lebende Familie konnte deshalb als mögliches Druckmittel dienen.

Operation Fireweed

Die „Operation Fireweed“ war eine geheime Rettungsaktion des amerikanischen Geheimdienstes im Sommer und Herbst 1947. Ziel war es, die Familie des hochrangigen deutsch-sowjetischen Diplomaten und NS-Experten Gustav Hilger (seine Frau Mary, seine Tochter Isika sowie zwei Enkeltöchter) aus dem sowjetisch besetzten Teil Deutschlands in die amerikanisch besetzte Zone zu schleusen.

Die Aktion war notwendig geworden, weil die Familie in der Sowjetischen Zone unter ständiger Beobachtung des sowjetischen Geheimdienstes stand und massiv unter Druck gesetzt wurde, um Gustav Hilger (der bereits für die Amerikaner arbeitete) zur Rückkehr in die sowjetische Zone zu bewegen.

Damit wurde der Sonnenhof ungewollt zum Ausgangspunkt einer der bemerkenswerten Fluchtgeschichten der frühen Nachkriegszeit.

Wo lag der Sonnenhof?

Die genaue Lage des Sonnenhofs konnte bislang nicht zweifelsfrei bestimmt werden. Der Hofname erscheint weder in heutigen Karten noch in den verfügbaren Denkmalverzeichnissen.

Gefunden habe ich aber folgende Beschreibung: „In Molchow bei Neuruppin, dort wo die Stendenitzer Straße in einen Waldweg übergeht, steht das Haus an einer seitlichen Abzweigung im Wald versteckt. Heute sind es nur noch ein paar Bienenvölker, die an der Grundstücksgrenze patrouillieren und unerwünschte Besucher auf Distanz halten.1

Dies dürfte mit den Veränderungen nach 1945 zusammenhängen. Im Zuge der Bodenreform wurden zahlreiche größere Grundstücke neu aufgeteilt. Hofnamen verschwanden häufig aus den amtlichen Unterlagen und wurden durch einfache Hausnummern ersetzt.


Links und Quellen


  1. Gefunden auf http://www.maerkische-landsitze.de/hilger.htm, am 2.7.2026 ↩︎