Haus Kosmack – „Schloss am Molchowsee“
Das Haus Kosmack gibt es nicht mehr. Es stand am Molchowsee und ich habe hier Historisches Rund um das Haus gesammelt.
Am Molchowsee gab es zwei besondere Gebäude: das Haus Molchow an der Ostseite und das Haus Kosmack an der Westseite des Sees. Das Haus Kosmack wurde zeitweise unter dem Namen „Schloss am Molchowsee“ als Hotel und Restaurant geführt. Es wird aber in einigen Architekturbüchern als herausragende Landhausarchitektur bezeichnet. Teppo Jokinen schrieb dazu in seinem Buch Haus Molchow & Haus Kosmack „Beim Haus Kosmack konnte Muthesius seinen reformorientierten Plan eines modernen, in die Landschaft hineinkomponierten Wohnhauses verwirklichen.“(Haus Molchow & Haus Kosmack, siehe unten).

Der Kaufmann und Fabrikbesitzer Max Kosmack taucht gleich zwei Mal auf. Genau genommen gab ein Haus Kosmack am Molchowsee und es gibt noch eine Villa Kosmack (Wikipedia) in Altruppin. Die Villa ist in der Denkmaldatenbank des Landes Brandenburg eingetragen. Die Villa wurde im Jahr 1897 für den Kaufmann und Fabrikbesitzer Max Kosmack nach Entwurf des Architekten Gustav Lilienthal erbaut.
Das Haus Kosmack stand an der Westseite des Molchowsees. Dort wo das Haus einmal stand, sind heute Wochenendgrundstücke. Ein Schild erinnert an das Haus.
Das Haus Kosmack entstand zwischen 1905 und 1910 am Ufer des Molchowsees als Wohnhaus, das nach Entwürfen des Architekten Hermann Muthesius errichtet wurde. Muthesius war ein Mitbegründer des Deutschen Werkbunds. Das Gebäude gilt als Beispiel seiner Bestrebungen, zeitgemäße Wohnformen mit einer harmonischen Einbindung in die umgebende Landschaft zu verbinden.
Ende der 1920er Jahre entwickelte sich eine enge persönliche Beziehung zwischen dem Künstler Franz Heckendorf und Hilda Kosmack, die auch Einfluss auf deren private Lebensumstände hatte. Nachdem Heckendorf und Hilda Kosmack ab 1931 gemeinsam lebten, führten sie das Anwesen als Hotel- und Restaurationsbetrieb unter der Bezeichnung „Schloss am Molchowsee“. [1]
Das wird schnell zum Treffpunkt der Berliner Prominenz, darunter der Flieger Hans Bertram, die Schauspielerin Gisela Uhlen, der Regisseur Frank Wysbar. 1933 beargwöhnen die Nationalsozialisten das Haus als „Absteigequartier für Juden, fremde Diplomaten und ausländische Journalisten“. Hitler selbst ist an dem Anwesen interessiert, es muss schließlich verkauft werden, eine Führerschule der Hitlerjugend wird darin eingerichtet.[2]
Heckendorf, der als „entarteter Künstler“ galt, nutzte das Haus, um in der NS-Zeit untergetauchten Juden zu helfen. Während des Zweiten Weltkriegs gelang es ihm nachweislich, 18 Verfolgte zu retten. [1, 2]
Historischer Kontext:
- Die Nutzung Haus Kosmack in Molchow: Historische Dokumente (wie z. B. Die SS-Akte: Oskar Gröning war mehr als nur ein Mitläufer und Unterlagen der Hitlerjugend Hitler Jugend 2 | PDF – Scribd) belegen, dass Schloss Molchow spätestens ab Sommer 1939 als Reichsschule für weltanschauliche Schulung der Hitlerjugend diente. [1, 2]
- Dokumentenlage: Vereinzelt aufgetauchte Sammlerstücke wie historische Ansichtskarten Ansichtskarte Molchow, Reichsschule des Reichsbundes … aus der Zeit um 1939, die eine „Reichsschule des Reichsbundes Jüdischer Frontsoldaten“ erwähnen, spiegeln vermutlich zeitgenössische Fehlinformationen, Fehlbeschriftungen oder Fehldrucke wider.
- Der Reichsbund: Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten (RjF) war eine Organisation jüdischer Kriegsveteranen des Ersten Weltkriegs. Er diente in den ersten Jahren der NS-Zeit primär als Abwehrverein und bot ab 1933 jüdischen Sportlern in Deutschland eine Plattform. [1, 2]
Links und Quellen
- Galerie \“DER PANTHER\“ – fine art über Haus Kosmack am Molchowsee – Franz Heckendorf – „DER PANTHER“ – fine art
- Beschrieben wird das Haus im Buch: Hermann Muthesius: Landhäuser. Ausgeführte Bauten mit Grundrissen, Gartenplänen und Erläuterungen. Zweite ergänzte Auflage, München 1922
- Teppo Jokinen, Haus Molchow & Haus Kosmack / The Molchow House and the Kosmack House: Baugeschichten am Molchowsee in der Mark Brandenburg / Histories of Buildings on Lake Molchow in the March of Brandenburg
- Widerstand in der NS-Zeit: Maler, Bohemien, Fluchthelfer Artikel im Tagesspiegel
