Das Gut Gentzrode – Unerwartet maurisch

Das Gut Gentzrode – Unerwartet maurisch

14. Januar 2025 Aus Von Dorfreporter

Das Gut Gentzrode bei Neuruppin ist ein bekannter „Lost Place“. Heute steht es mitten in einem 500 ha großem Gelände, das die GDSSD, die Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland, nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte. Im maurischen Stil errichtet ist es ein besonders eindrucksvolles Beispiel des orientalischen Historismus. Heute befindet es sich in einem fortgeschrittenen Stadium des Verfalls. Das ehemalige Herrenhaus mit mit einen sogenannten Kornspeicher, das einst von namhaften Architekten (u. a. Gropius) entworfen wurde, ist heute durch verfallene Dächer, Graffiti und Einstürze gekennzeichnet. – Aber vielleicht gibt es doch eine Rettung.

Familienbesitz Gentz 1855 bis 1881

Das Gut Gentzrode wurde für die wohlhabende Familie Gentz in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtet. Die Familie Gentz erwarb es, um einen Familiensitz zu begründen und später, um einen landwirtschaftlichen Musterbetrieb aufzubauen. Zum Gutshof gehörten nicht nur das Herrenhaus und der markante Kornspeicher, sondern auch spezielle Wohnhäuser für die Torfstecher und eine große Gartenanlage.
Der für seine orientalisierende Architektur bekannte Carl von Diebitsch (1819-1869) errichtete den Kornspeicher zwischen 1859 und 1862. Da Carl von Diebitsch im Juli 1869 in Kairo verstarb, konnte das Projekt nicht durch ihn weiter verfolgt werden.
Das Herrenhaus entstand danach 1876/77 nach Entwürfen von Martin Gropius (1824-1880) und Heino Schmieden (1835-1913).

Standort der sowjetischen Streitkräfte (GSSD)

Die längste Zeit war das Gelände abgeschottet in den Händen der sowjetischen Streitkräfte in der DDR. Nach der kampflosen Übergabe der Stadt im Mai 1945 besetzte die sowjetische Armee das gesamte Areal. Neuruppin entwickelte sich zu einem der größten Standorte der sowjetischen Streitkräfte (GSSD) in Ostdeutschland. Unter anderem waren hier das 730. Jagdbombenfliegerregiment auf dem nahem Flughafengelände stationiert1,2 und die 112. Garderaketenbrigade (ausgestattet mit operativ-taktischen Raketen), die zur 2. Panzerarmee gehörte. 3 Direkt auf dem Gelände des Gutes Gentzrode befanden sich die 1. und 2. Abteilung sowie das Hauptquartier (der Stab) der Raketenbrigade.4 Die sowjetischen Truppen bauten das historische Gutsgelände zu einer eigenständigen kleinen Militärstadt aus. Es wurden Plattenbauten, Kasernen, ein Kino, eine Kindertagesstätte, ein Heizhaus und Läden für bis zu 5.000 Menschen.5
Nach der deutschen Wiedervereinigung zogen die sowjetischen Truppen ab. Das Gelände verfiel in einen Dornröschenschlaf.


Links und Quellen:



  1. Flugplatz :: Museum-Digital :: Thema ↩︎
  2. Flugplatz Neuruppin | Neuruppin – urban authenticity ↩︎
  3. Liste der sowjetischen Militärstandorte in Deutschland – Wikipedia ↩︎
  4. Gentzrode – Wikipedia ↩︎
  5. Heimatgeschichte: Gentzrode war zur Zeit der russischen Besatzung eine komplette Kleinstadt mit Raketenbataillon | moz.de ↩︎